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Die nukleare Kette | Hibakusha weltweit

CC-BY-Sa, Geomartin

CC-BY-Sa, Geomartin

Uranbergbau

Sowohl die Atomwaffen, als auch die Atomkraftwerke benötigen Uran.

Von 1946 bis 1990 wurde im Erzgebirge und in Thüringen Uran abgebaut. Mehr als 40.000  Zwangsarbeiter wurden dafür eingesetzt. 1960 arbeiteten dort 130.000 Bergarbeiter. Wismut war der drittgrößte Uranlieferant weltweit. 1990 wurde die Mine geschlossen. Die Anwohner und die Bergarbeiter leiden noch heute unter den strahlenden Rückständen.

Uranbergbau wird heute in großen Minen in Amerika, Afrika, Kanada, Kirgisistan, Australien,  Indien und China betrieben.

Unter unsicheren Bedingungen bergen die Minenarbeiter das Uran. Die Bergarbeiter werden bei ihrer Arbeit hohen Strahlendosen ausgesetzt. Viele von ihnen erkranken deshalb an Lungenkrebs.

Neben den gesundheitlichen Risiken für die Arbeiter wird beim Abbau des Uranerzes auch die radioaktive Verseuchung ganzer Regionen in Kauf genommen. Es entstehen riesige Mengen radioaktiver Abraum und immense Mengen an Abwasser und Schwefelsäure, die für die Auswaschungen nötig ist. Die hochgiftigen Schlämme und der radioaktive Abraum kommen auf Abraumhalden und sind ein strahlendes Erbe für die künftigen Generationen. Die strahlenden Partikel werden durch den Wind verweht. Das radioaktive Wasser gelangt oft ins Grundwasser und in die Flüsse.  Anwohner und indigene Völker  in fünf Kontinenten verloren durch den Uranabbau ihre Heimat und leiden unter der Strahlung. Es gibt keine Antwort, wie die Gebiete jemals dekontaminiert werden könnten.

Auch die Bergarbeiter, Anwohner und indigenen Völker sind Hibakusha, die unter den Folgen der zivilen und militärischen Atomnutzung leiden.


Public Domain

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Atomwaffentests

Am 16.Juli 1945 findet der weltweit erste Atomwaffentest statt. 2009 verabschiedet die Generalvollversammlung der Vereinten Nationen einstimmig eine Resolution gegen Atomwaffentests. Der 29.August ist heute der Internationale Tag gegen Atomtests.

Seit 1945- 2016 waren es insgesamt 2051 Atomwaffentests der USA, der Sowjetunion, Frankreichs, Großbritanniens, Chinas, Indiens, Pakistans und zuletzt Nordkoreas.

Die Tests fanden weltweit auf allen Kontinenten statt. Dies auf der Erde, unter der Erde, in und auf dem Wasser.

Die Strahlenopfer sind zigtausende Soldaten, Arbeiter auf den Testgeländen, die einheimische Zivilbevölkerung und deren gesamten Lebensgrundlagen.

Die USA haben mit ihren 1054 Atomwaffentest einen großen Teil der Erde radioaktiv verseucht und teilweise unbewohnbar gemacht. In den Anfangsjahren des Kalten Krieges wurden beispielsweise über den pazifischen Atollen, den Marschallinseln, 49 Wasserstoffbomben mit der Sprengkraft von3.200 Hiroshima Bomben freigesetzt.

Alle 49 getesteten Wasserstoffbomben enthielten Plutonium, eins der giftigsten Elemente, die es gibt: es strahlt eine halbe Million Jahre lang Radioaktivität ab. Nach diesen Tests starben unmittelbar über 80.000 Menschen, weitere 40.000 Personen qualvoll in den folgenden Jahren. 11.000 Menschen wurden 12 Jahre lang als Testpersonen für radioaktive Nebenwirkungen beobachtet.

Das ist nur die Spitze des Eisbergs einer beispiellosen Vernichtungsaktion unserer Mutter Erde und deren Lebewesen.

Der kasachische Dichter und Politiker Olzhas Sulejmenov sagte im Jahre 1989 zu den Atomwaffentests der UDSSR in Kasachstan:

„Wir dachten, wir seien ein Land des Friedens, aber in Wirklichkeit hat unsere Regierung 40 Jahre lang einen Atomkrieg gegen das eigene Volk geführt.“

Die eingereichten Klagen auf Entschädigung der schwerstbetroffenen Menschen werden weitgehend abgewiesen.

Auch sie sind Hibakuscha, die unter den Folgen der militärischen und zivilen Atomindustrie leiden.


CC-BY-SA Arne Müseler / www.arne-mueseler.de

CC-BY-SA
Arne Müseler / www.arne-mueseler.de

Unfälle in Atomkraftwerken

Zum Thema „Unfälle in Atomkraftwerken“ zeigen wir in der Ausstellung  3 Texttafeln zum  SUPER GAU in Tschernobyl und dem SUPER GAU in Fukushima.

Aus Platzmangel mußten wir viele andere Unfälle in Atomkraftwerken unerwähnt lassen:

1979 kam es in Three Mile Island in den USA zu einer teilweisen Kernschmelze. Was waren die Folgen? Bis heute gibt es keine wissenschaftliche Analyse der Folgen für Umwelt und Gesundheit der Menschen.

In der Ausstellung fehlen auch die Atomkraftwerke, die durch ständige Fehlfunktionen und Lecks und dadurch, dass sie in Erdbebengebieten liegen, eine große und ständige Gefahr darstellen. Da sind z.B. die Atomkraftwerke Watts Bar und Sequoyah in USA und viele andere weltweit.

Ein besonders makabrer Strahlenunfall ereignete sich in Brasilien. Diebe entwendeten ein Strahlentherapiegerät. Im Inneren fanden sie ein geheimnisvoll leuchtendes blaues Pulver. Bevor endlich bekannt wurde, dass es sich um Cäsium 137 handelte, starben bereits viele Menschen, weite Teile der Großstadt waren verseucht, mangels Erfahrung gelang die Dekontaminierung nur mangelhaft, das Cäsium 137 strahlt weiter…

Auch alle Opfer von Atomunfällen sind Hibakusha, die unter den Folgen der  sogenanten „friedlichen“ (zivilen)  Atomnutzung leiden.


Public Domain

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Atomwaffen

Wir alle kennen die Geschichte von ‚Little Boy‘ und ‚Fat Man‘, den Atombomben, die die USA im August 1945  über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki abwarfen .

Die Überlebenden dieser beiden Angriffe waren die ersten ‚Hibakusha‘.

Im Golfkrieg 1991 und im Irakkrieg 2003 setzten die USA und Großbritannien Uranmunition ein.

Das ist sogenanntes abgereichertes Uran, das bei der Urananreicherung entsteht. Es ist in Staaten, die Atomkraftwerke betreiben, in großen Mengen vorhanden.

Wegen seiner großen Dichte wird es für panzer- und bunkerbrechende Munition verwendet.

Beim Aufprall wird das Uran pulverisiert und mit dem Wind weit verteilt.

Es gelangt durch Einatmen, mit der Nahrung und durch offene Wunden in den Körper.

Ein Teil wird mit dem Urin unter großer Schädigung der Nieren ausgeschieden. Der andere Teil wird in die Knochen eingebaut und verstrahlt von dort aus das Gewebe.

Die Folge sind große Anstiege bei kindlichen Missbildungen und stark erhöhte Krebsraten in der Gegend von Basra und Falludscha.

Auch diese Menschen sind – ebenso wie die betroffenen Soldaten – Hibakusha, die unter den Folgen der militärischen Atomindustrie leiden.


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Atommüll und Wiederaufbereitungsanlagen

Bis 2022, wenn der letzte Atommeiler in Deutschland abgeschaltet ist, wird allein in unserem Land 18.000 t hochradioaktiver Atommüll anfallen – weltweit 350.000 t. Und nirgendwo auf unserem Planeten ein sicherer Ort dafür .
Beim Rückbau der stillgelegten Meiler fällt das größte Volumen an radioaktivem Müll an. Doch auch für diesen schwächer aktiven Abfall gibt es noch keinen Platz der sicheren Lagerung.

So wächst dieser „Atommüll-Wahnsinn auf Halde“ von Jahr zu Jahr weltweit.

Ein Lösungsweg über die Wiederaufarbeitung der verbrauchten Brennelemente und die Brüter-Technologie erwies sich in Deutschland als Sackgasse.
Die Liste der technischen Schwierigkeiten, der Probleme mit der Sicherheit und nicht zuletzt der Umweltverträglichkeit ist lang.

In der Ausstellung können sie sich genauer über die Wiederaufarbeitungsanlagen in La Hague (F) und Sellafield (GB) informieren.
Allen Wiederaufarbeitungsanlagen auf dieser Welt ist gemein, dass sie Meere und Luft stark verseuchen.

So sind die direkten Anwohner und auch die Nutzer der betroffenen Meeresgebiete  Hibakusha, die unter den direkten Folgen der Atomnutzung leiden.

Hibakusha weltweit | Ausstellungseröffnung

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Am 21. April wurde die Ausstellung Hibakusha weltweit in Rottweil eröffnet. Angela Gessler führte dazu ein:

Ich möchte Ihnen gerne von  Alexij Bugajew (Name geändert) erzählen. Wir trafen ihn in Luninetz, als wir an Ostern in Belarus waren.  Er erzählte uns seine Lebensgeschichte. Alexij Bugajew ist von Beruf Vermessungstechniker. Er wurde im Mai 1986 nach der Havarie in Tschernobyl einberufen, wie 800.000 Soldaten und Zivilisten aus der ganzen Sowjetunion. Sie wurden Liquidatoren genannt, weil sie die Verstrahlung liquidieren sollten. Noch heute ist er stolz, dass man ihn damals für diesen wichtigen Einsatz ausgewählt hatte.

Er wurde  mit seinen Kollegen in die 30 Kilometer- Zone geschickt. Sie sollten dort die vielen unbefestigten Straßen vermessen, damit später Asphalt aufgetragen werden konnte und der radioaktive Staub durch den Wind und beim Befahren nicht so stark verweht wurde.

Sie wurden zusammen mit vielen weiteren Liquidatoren in einem leer stehenden Hotel untergebracht. Alexij Bugajew und seine Kollegen aus Luninetz wurden zu einem menschenleeren und verwüsteten  Dorf gefahren, wo sie die Vermessungsarbeiten durch führen sollten. Die Häuser und die Brunnen waren mit Holzbrettern vernagelt. Alexij Bugajew erinnert sich noch an den metallenen Geschmack im Mund. Alle mussten husten und hatten immer einen trockenen Hals.  Über allem lag eine unheimliche Stille, kein Vogel zwitscherte und keine Biene flog. Obdachlose Hunde und Katzen liefen herum. Die Bäume hatten Blüten, aber die Rinden waren schwarz und die Blätter waren abgefallen.

Das Militär und die Feuerwehrleute in der 30 Kilometer-Zone hatten schwere Schutzanzüge und Gasmasken, Alexij und seine Kameraden nicht. Auch keine Geigerzähler. Da es in ihrer Unterkunft kein Wasser mehr gab,  tranken sie Wasser aus den Brunnen und wuschen sich im nahegelegenen Fluss Pripjat, dem Fluss, der direkt an Tschernobyl vorbei fließt.

Alexij Bugajew  wurde 6 Jahre nach seinem Einsatz als „Liquidator“ anerkannt, hatte aber durch diesen Status keine Privilegien im Alltag. Er ist seit vielen Jahren schwer krank und leidet an chronischen Magengeschwüren und Gelenkkrankheiten. In ein paar Wochen feiert er seinen 60.Geburtstag und wird pensioniert. Drei seiner Kollegen mit denen er damals gearbeitet hat, sind schon in jungen Jahren gestorben.

Alexij Bugajew  ist einer von vielen Hibakusha weltweit, um die es in dieser Ausstellung geht. Als wir die Unterlagen zur Ausstellung lasen, war es für uns alle erschreckend, wie umfassend und wie riesig die Auswirkungen der Atomindustrie sind. Weltweit gibt es Millionen Hibakusha, es gibt unzählige Orte, an denen die Atomindustrie ihr strahlendes Erbe hinterlassen hat und heute noch jeden Tag hinterlässt,  mit massiven gesundheitlichen und ökologischen Schäden für Mensch und Umwelt. Die Folgen der Atomindustrie kennen keine Ländergrenze, sie hinterlassen Spuren bei  Kindern und bei alten Menschen, sie verseuchen Gewässer und  zerstören riesige Landschaften.

Tschernobyl und Fukushima sind nur zwei von vielen Beispielen. Jedes Glied in der  zivilen und militärischen Atomtechnologie fügt der Umwelt und dem Leben irreparable Schäden zu.

Die beiden Hauptanliegen der Ausstellung sind zum einen  gegen das Schweigen und das gezielte Vertuschen anzutreten, den Hibakusha ein Gesicht und eine Stimme zu geben und dafür einzutreten, damit es keine weiteren Hibakusha mehr gibt.

 Das aber ist nicht möglich, solange es noch Atomkraftwerke gibt. Deshalb ist die zweite wichtige Botschaft der Ausstellung: Ausstieg aus der Atomtechnologie! Weltweit und sofort!

Deutschland hat nach Fukushima beschlossen,  bis 2022 alle Atomkraftwerke stillzulegen. Neun sind still gelegt, acht noch immer in Betrieb. In jedem Atomkraftwerk steckt ein Risiko, Attentate sind eine zunehmende Gefahr. Die Atomwirtschaft, aber auch manche politische Gruppen, sprechen  schon wieder von Laufzeitverlängerung.

Wir unterstützen deshalb die Initiative des BUND den Atomausstieg in Deutschland zu sichern und  im Grundgesetz dauerhaft fest zu schreiben und sich einzusetzen für den Ausstieg überall in Europa  und weltweit.

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Endlich abschalten! Anti-Atom-Demo in Neckarwestheim

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BUND BW

Diese Rede wurde  von uns stellvertretend für unsere Freund*innen in Belarus, die aufgrund der politischen Situation nicht öffentlich frei sprechen können, auf der Demo zum AKW Neckarwestheim am 6.März 2016 gehalten:

Liebe Freundinnen und Freunde!

Wie schön, dass heute über 2000 von euch hier sind, um ein lautes und buntes Zeichen für den sofortigen und konsequenten Atomausstieg zu setzen!

Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich vor 2 Jahren im März auf dieser Demo Kraniche mit euch gefaltet habe, um sie mit nach Fukushima als Zeichen unserer Solidarität zu nehmen. Diese Reise hat mich sehr geprägt und mittlerweile konnte ich auch Menschen aus Belarus kennenlernen. Die Parallelen zwischen Belarus und Japan sind enorm, obwohl 25 Jahre und ganz unterschiedliche Systeme hinter beiden GAUs liegen. Dies hat mich ganz besonders darin bestärkt, unserer Solidarität und unserem Protest von West nach Ost und von Ost nach West laut und deutlich Ausdruck zu verleihen. Denn Atomkraft gefährdet und alle, überall und immer!

Ich möchte heute einige Eindrücke meines Besuches der verstrahlten Gebiete Weißrusslands mit euch teilen. Wir demonstrieren heute offen und äußern unseren deutlichen Unmut über die Atompolitik – dies ist in Belarus nicht möglich. Proteste rund um die Präsidentschaftswahlen im letzten Oktober wurden gewaltsam und teils unter Androhung der Todesstrafe niedergeschlagen. Belarus wird auch die letzte Diktatur Europas genannt. Weil sich unsere weißrussischen Partner und Partnerinnen nur unter großer Gefahr für sich und ihre Familien politisch äußern können, möchte ich heute stellvertretend ihre Stimmen vernehmbar machen.

„Wir leben nicht nach der Katastrophe von Tschernobyl, sondern seit 30 Jahren mit ihr!“ dies ist die zentrale Botschaft, die ich von allen Menschen – egal ob zum Zeitpunkt des GAUS schon geboren oder nicht – mitgenommen habe. Tschernobyl ist überall, sei es in den verlassenen Dörfern in den hochverstrahlten Gebieten Gomel und Mogilev, sei es in den anonymen Hochhochsiedlungen von Minsk, wohin die die Babuschkas aus eben jenen Gebieten umgesiedelt wurden, sei es in den Krankenhäusern, wo die überlebenden Liquidatoren behandelt werden und sei es hier in Stuttgart oder Heilbronn, wo weißrussische Kinder 2 Wochen auf Erholungsreise sind.

Doch Tschernobyl soll unsichtbar gemacht werden, das Unfassbare aus dem kollektiven Gedächtnis verbannt und Erinnerung strafbar. Die Stiftung „Den Kindern von Tschernobyl“, die es seit den 90er Jahren über einer halben Million Kindern ermöglicht hat, ins Ausland auf Kur zu fahren, musste das „Tschernobyl“ aus ihrem Namen streichen. Sie heißt jetzt „Freude den Kindern“. Der belarussische Staat hat so gut wie alle Entschädigungszahlen an die Opfer der Atomkatastrophe eingestellt und Hilfe für kranke und behinderte Menschen wird größtenteils zivilgesellschaftlich finanziert. Hinzu kommt oft bittere Armut und eine Inflation von rund 50% innerhalb des letzten Jahres. Wie es eine belarussische Bekannte formuliert: „In dieser Situation denkt keiner besonders viel an die Umwelt, an die Atomkraft, an die Erneuerbaren. Das ist leider die Realität.“ Die Arbeit der belarussischen humanitären Organisationen hängt zu einem großen Teil von Partner*innen aus dem Ausland ab – finanziell und auch politisch. Sie sind auf unsere Unterstützung angewiesen, denn dort wo Hinsehen und Helfen zum Verbrechen gemacht wird, braucht es internationale Solidarität!

Die Strahlung, die nach dem GAU freigesetzt wurde, war 200 Mal so stark wie die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki zusammen. Nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl mussten 400 000 Menschen ihre Heimat verlassen. 8,3 Millionen Menschen lebten plötzlich in kontaminierten Gebieten. 830 000 Menschen aus der gesamten Sowjetunion wurden direkt nach dem GAU als Liquidatoren eingesetzt, laut der Internationale Ärzte und Ärztinnen für die Verhütung des Atomkrieges sind über 50 000 bereits an Strahlenschäden gestorben oder begingen Selbstmord. Laut WHO gibt es heute in Belarus kein einziges gesundes Kind. Dies ist die oft so ambivalente Welt der Daten und Zahlen. Nicht zuletzt das altbekannte Spiel mit Grenzwerten für Evakuierung und Entschädigung, das in Belarus wie Japan gleichermaßen gespielt wird, zeigt uns, das Zahlen allein noch keine Fakten sind. Zu anfällig sind sie für Manipulation und vermögen nur einen begrenzten Teil der Realität abzubilden, der immer interpretiert und gewertet werden muss. Wir müssen um sie kämpfen, wenn es um politische Argumentationsgrundlagen geht. Doch was sich mir und meinen Mitreisenden sowohl in Japan als auch Belarus tief eingeprägt hat, sind die Biographien der Menschen, die mit diesen Katastrophen leben müssen und oft alleine gelassen werden. Nicht selten werde diese Hibakusha, also Strahlenopfer, massiv ausgegrenzt und sollen unsichtbar gemacht werden. Dies dürfen wir nicht zulassen! Lasst uns ihre Geschichten und Stimmen weitertragen!

In Luninetz, einem der besonders verstrahlten Gebiete Belarus‘, habe ich im örtlichen Gymnasium einen jungen Mann getroffen. Er war 19 Jahre alt, wurde also nach dem GAU geboren. Er war schon mehrmals in Deutschland und auch England auf Erholungsreise und wurde von seiner Lehrerin für sein technisch-naturwissenschaftliches Talent gelobt. Als wir ihn fragten, was er sich denn beruflich für seine Zukunft wünsche, kam die Antwort prompt: Er wolle in dem neuen, sich momentan im Bau befindenden Atomkraftwerk im Norden des Landes arbeiten. Dort sei die Bezahlung gut und die Technik auf dem neuesten Stand, außerdem könne Weißrussland nur so von Energieimporten unabhängig werden.

In diesem Moment wurde mir einmal mehr bewusst, wie wichtig es ist, echte Perspektiven zu schaffen. Atomkraft ist nicht alternativlos! Wir können eine klimagerechte, umweltfreundliche und soziale Energieversorgung schaffen! Deutschland kommt aufgrund der Energiewende und seinem Status als reiches Industrieland des globalen Norden dabei eine Art Vorbildrolle zu, auch wenn diese momentan offensichtlich mehr schlecht als recht erfüllt wird. Deshalb lasst uns auch hier vor Ort, in den Kommunen, Ländern und im Bund weiterhin mächtig Druck machen! Atomkraft muss Geschichte werden!

Eine belaussische Freundin hat mir geschrieben: Ich habe versucht dran zu denken, was mir in dieser Situation Hoffnung macht und leider ist mir so gut wie gar nichts eingefallen. Vielleicht wird es mit der Zeit besser, wenn eine neue Generation der jungen Menschen kommen kann, die anders denken. Ein Zitat von Waclaf Havel, das ich im Zuge meiner belarussischen Erfahrungen sehr verinnerlicht habe: Die Hoffnung ist, im Gegensatz zum Optimismus, nicht die Erwartung, dass alles gut ausgeht. Sondern das Engagement in Gewissheit, dass es Sinn hat, egal wie ausgeht.

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Kraft und Zusammenhalt. Gemeinsam steigen wir aus der Atomkraft aus!

Vielen Dank für das viele positive Feedback!

Hier gibt es den Bericht des Endlich abschalten-Bündnisses.

Hier gibt es einen kurzen TV-Bericht zur Demo (SWR):

Atomkraft muss Geschichte werden!

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„Zum 30. und zum 5. Mal jähren sich die Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima im Frühjahr 2016. Und sie werden nicht Geschichte sein, solange weiterhin Atomkraftwerke in Betrieb sind – solange es weiterhin jeden Tag zu Unfällen kommen kann. Auch heute, im Hier und Jetzt, ist Atomkraft hochgefährlich. Auch von den acht deutschen Atomkraftwerken können zerstörerische Folgen für Mensch und Umwelt ausgehen.

Fordern Sie Umweltministerin Hendricks auf: Atomkraft muss Geschichte werden! Die Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima haben gezeigt, dass Atomkraft nicht beherrschbar ist – und der Weiterbetrieb von Atomkraftwerken unverantwortlich. Deshalb fordern wir: Atomausstieg beschleunigen und im Grundgesetz festschreiben!“

Hier könnt ihr die Petition des BUND unterzeichnen.

Ausstellung: FUTURE

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Chihiros Ausstellung „FUTURE“ wird dieses Frühjahr in Tokio, Kyoto und Fukushima gezeigt.

Ihre Arbeit wurde durch unsere Reise nach Belarus inspiriert. Begleitend finden verschiedene Workshops über Atomkraft statt.

Wenn ihr Gelegenheit habt, schaut vorbei und ladet gerne Freund*innen ein! Teile ihrer Arbeit zeigen wir möglicherweise auch noch in Deutschland.

●Fukushima
Zeitraum: 11. bis 14.02.2016
Ort: FUKUSHIMA KOMUKOMU (Karte)
Haltestelle: Fukushima Sta.

●Tokio
Zeitraum: 24. bis 28.02.2016
Ort: Teramachi Gallery (Karte)
Haltestelle: JR Nippori Sta.

●Kyoto: Folgt bald

Mehr Infos zu der Ausstellung auf Chihiros Homepage (Englisch/Japanisch)